125 Jahre Johanneum

Pressebericht der Evangelischen Kirche im Rheinland

Kreativ für die biblische Botschaft

"Theologie lernen, Gemeinschaft erleben, Menschen erreichen": So sieht die Evangelistenschule Johanneum in Wuppertal ihre Ausbildung. Im Oktober wird die Einrichtung 125 Jahre alt.

Johanneum in Wuppertal

Eine Ansprache des Bonner Universitätspredigers und Dozenten für Praktische Theologie, Professor Theodor Christlieb, stand am 21. Oktober 1886 am Anfang des Johanneums. Der Theologe sprach über den Vers 1. Korinther 15,58: „Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.“ Die Evangelistenschule Johanneum nahm mit diesem Vers ihre Arbeit in Bonn auf. Einige Jahre später zog sie nach Wuppertal-Barmen um. Damals wie heute ist das Ziel, Studierende zu befähigen, die biblische Botschaft weiterzugeben.

Die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Petra Bosse-Huber, würdigte dieses Engagement bei einem Festgottesdienst aus Anlass des Jubiläums. „Ich bin jedes Mal beeindruckt, wenn ich in der Beschäftigung mit der Geschichte unserer Kirche auf Menschen stoße, die so für eine Idee brannten und im wahrsten Sinne des Wortes begeistert waren“, so die Theologin. Was diesen Pionierinnen und Pionieren Kraft gegeben habe, sei die Überzeugung, dem Ruf Gottes zu folgen. Auch in schweren Zeiten hätten sie immer wieder Bestärkung und Ermutigung im Gebet und im Bibelstudium gefunden.

Freies Werk in der Evangelischen Kirche

„Besonders die Worte Jesu zur Nachfolge und die Zeugnisse der Apostel waren ihnen Inspiration und Wegweisung“, sagte Bosse-Huber. „Denn so viel anders fühlten sich die zur Evangelisation berufenen Christinnen und Christen im Rheinland Ende des 19. Jahrhunderts nicht als die ersten Missionarinnen und Missionare Ende des 1. Jahrhunderts.“

Das Johanneum bietet heute eine theologische und gemeindepädagogische Ausbildung an und hat zurzeit 42 Studierende. Es sieht sich als freies Werk innerhalb der Evangelischen Kirche. Vorstandsvorsitzender ist der rheinische Landeskirchenrat i.R. Klaus Teschner. Direktor des Johanneums ist Pfarrer Burkhard Weber.

Rund 1.600 Männer und Frauen haben inzwischen eine Ausbildung an der theologischen Einrichtung absolviert. Für Frauen ist dies seit 1992 möglich. Die Absolventinnen und Absolventen der Ausbildungsstätte arbeiten in Predigtdienst, Jugendarbeit, Gemeindepädagogik und Mission in der Evangelischen Kirche und ihr verbundenen Werken und Verbänden.

Anlässlich des Jubiläums hat das Johanneum im R. Brockhaus-Verlag ein Buch mit dem Titel „Kirche kreativ“ herausgebracht. „Darin sind über 50 Beiträge für eine innovative kirchliche Arbeit enthalten“, berichtet Direktor Weber. Das Buch soll zeigen, dass es „nicht nur in den USA und England, sondern auch in Deutschland frische und relevante Ausdrucksformen von Kirche“ gibt.

Auch in der Vergangenheit hat die Einrichtung immer wieder auf gesellschaftliche und kirchliche Entwicklungen reagiert. So wandte sich das Johanneum 1934 gegen die Vermischung von völkischem Denken und Evangelium durch die Deutschen Christen. Anfang der siebziger Jahre hielt die Schule ihre biblisch-theologische Basis in einem verbindlichen Dokument fest. Verwurzelt sieht sich das Johanneum in der biblischen Lehre, der reformatorischen Tradition, dem Pietismus, den Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts und der Bekennenden Kirche im Dritten Reich.