125 Jahre Johanneum

Pressebericht der Westdeutschen Zeitung

Jubiläum am Johanneum: 125 Jahre gemeinsam leben und lernen

Von Nikola Dünow

Die Evangelistenschule gibt es seit 125 Jahren – seit 1893 ist ihr Sitz in Barmen.

Barmen. „Theologie kann man lernen. Persönlichkeitsentwicklung kann man nur miteinander leben“, sagt Pfarrer Burkhard Weber, Direktor des Johanneums, und beschreibt damit das Prinzip, nach dem die Evangelistenschule mit Sitz in Barmen funktioniert. Die derzeit 45 Studenten leben und lernen gemeinsam in dem Seminargebäude. Auch die Dozenten wohnen auf dem Gelände.

Die Studenten kümmern sich selbstständig um die Instandhaltung des Gebäudes, jeder verpflichtet sich zu zwei Arbeitsstunden wöchentlich. Da das nicht zwangsläufig jedermanns Sache ist, kommen die Bewerber vor Studienbeginn probeweise für eine Woche nach Wuppertal.

Gelebte Gemeinschaft als Erfolgsrezept

„Neben der theologischen Kompetenz ist die soziale Kompetenz von riesiger Bedeutung“, ist Weber überzeugt. Nicht immer habe man darauf innerhalb der Kirche in der Vergangenheit ausreichend Wert gelegt. Für Weber ist die gelebte Gemeinschaft daher auch das Erfolgsrezept der Ausbildung am Johanneum: „Die Chancen für unsere Absolventen sind sehr gut.“

Im Unterschied zum Studium an der Universität ist die Ausbildung am Johanneum verschulter und praxisorientierter. Das akademische Niveau ist niedriger, die Studenten müssen kein Abitur haben, deshalb können nach Barmen auch beispielsweise Handwerker und Landwirte auf dem zweiten Bildungsweg kommen.

„Wir arbeiten fachlich qualifiziert, sitzen dabei aber nicht im Elfenbeinturm“, erklärt der Direktor. Der Römerbrief werde etwa nicht literarisch analysiert, sondern die Studenten müssten sich fragen, wie man den Brief in der Jugendarbeit einsetzen kann.

Rückblick: Umzug von Bonn nach Barmen

Der Umzug von Bonn nach Barmen (s. Kasten) 1893 war alles andere als ein Zufall: „Die Lebendigkeit der Barmer Gemeinden war ein großer Anziehungspunkt“, erklärt Weber. Das Brüderhaus des erweiterten Gebäudes an der Carnaper Straße wurde 1943 in der „Barmer Brandnacht“ zerstört. Nach dem Krieg errichteten Johanneumsbrüder an gleicher Stelle einen Neubau (1948) – federführend war dabei auch der spätere Wuppertaler Bürgermeister und Nachfolger von Johannes Rau, Gottfried Gurland. 1965 muss das Johanneum der Autobahn 46 weichen. Am Nordpark entsteht der heute noch genutzte Neubau.

Für die Zukunft wünscht sich Direktor Weber, „ein Stachel in der Ausbildungsszene“ zu bleiben. „Wir wollen Lernen und Leben weiterhin aufeinander beziehen. Außerdem wollen wir ein freies Werk bleiben“.

» Statt einer Festschrift ist ein Buch erschienen, in dem Absolventen ihre Projekte innerhalb der Kirchenarbeit vorstellen: „Kirche kreativ – Ideen aus dem Johanneum“.